Sonntag, 6. Februar 2011

6 - Über Yuppies in Jakarta

Donnerstag, 3.2.2011
(von Horst-G. Lippold)

vor dem Restaurant

Ich hatte von einer Kollegin an der RFH eine Mobilfunknummer und den dazugehörigen Namen „Abrar“ bekommen verbunden mit der Empfehlung, dass dieser junge Mann uns ggfs. etwas von Jakarta und seinen Möglichkeiten in puncto Shopping, Essen und Ausgehen zeigen könnte. Meine Erwartung war also ein jüngerer Mann im Alter unserer Studenten, der uns nicht die Touristen- bzw. Besucherversion, sondern das echte Jakarta zeigen würde.

Auf meinen Anruf meldete sich besagter Abrar, der sich dann auch mit uns treffen und den Abend in einem von ihm vorgeschlagenen Restaurant beginnen wollte. Es stellte sich übrigens gleich heraus, dass meine Kollegin nicht ihn persönlich, sondern Verwandte von ihm kannte. Ich hatte ihn vorsichtshalber noch extra darauf hingewiesen, dass unsere finanziellen Möglichkeiten beschränkt und die Kosten für das Essen pro Person auf eine bestimmte Obergrenze beschränkt seien. Pünktlich um sieben Uhr sind wir mit den üblichen Bluebird-Taxen gestartet, um bis acht Uhr an der von ihm genannten Adresse einzutreffen.

Das Restaurant war in einem der besseren Viertel ("hier habe auch Obama in seiner Jakarta-Zeit gewohnt") in einer alten Villa untergebracht, wo uns ein sehr freundlicher Abrar mit seinen Freunden empfing. Das Restaurant war in puncto Ambiente und Essen eindeutig Oberklasse. Folgerichtig war das Essen ein echtes Erlebnis und einige Teilnehmerhaben sich am Ende sogar zu einer Tasse des berühmten indonesischen Kaffees überreden lassen.

Der 25-jährige Herr Abrar erzählte mir, dass er in Australien studiert habe und nach einem Jahr in einer Bank nunmehr im Finanzministerium arbeite. Das Gespräch wurde leider recht oft von wichtigen Telefonaten des stets auf dem Tisch präsenten Mobiltelephons (of course Blackberry, das private Iphone liege zuhause) unterbrochen und auch sein Fahrer wurde einige Male zu irgendwelchen Fragen herangezogen. Ich fragte ihn etwas verwundert, ob es in Indonesien üblich sei, dass man als junger Mitarbeiter im Finanzministerium einen SUV nebst Fahrer gestellt bekomme.

Er beantwortete meine Frage recht lässig mit Hinweis, dass es sich selbstverständlich um sein Auto und seinen privaten Fahrer handle, zumal dieser ja nur umgerechnet 150 Euro im Monat (lt. Siegwerk und Siemens Durchschnittslohn eines indonesischen Arbeiters) koste. Das hat mir dann doch kurzzeitig die Sprache verschlagen und spätestens jetzt wurde mir klar, dass hier der gegenüber anderen Menschen etwas gedankenlose und in puncto Finanziellem abgehobene Protagonist der Marke Sohn reicher Eltern spricht.

Über die astronomische Rechnung im Lokal (s.o.) breite ich lieber den Mantel des Schweigens und verrate nur soviel, dass besagter Kaffee pro Tasse umgerechnet 18 Euro kostete.

Wir sind anschließend noch mit Herrn Abrar und seinen Freunden in eine Bar gefahren und haben einige Feierabendbiere getrunken, während Herr Abrar und seine Freunde unermüdlich im Minutentakt ihre Mobiltelephone bearbeiteten. Das schien mir eine neuartige und interessante Form der Kommunikation, bei der die Anwesenden lediglich als Lückenfüller zwischen Telefonaten, SMS und Emails herhalten.

Schließlich verschwand der feierwütige Teil der Gruppe mit ihm in der Nacht auf dem Weg zu einer Diskothek, während ich mit dem Rest der Gruppe den Abend gegen drei Uhr morgens im Hotelgarten mit Blick auf den Ozean und einige leere Bierflaschen ausklingen liess.

Das war ein wirklich bemerkenswerter Abend und ich sage nur: Völkerfreundschaft! Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde und ich hoffe nur, dass diese oberflächliche Nichtkommunikation Marke Abrar nicht auch uns irgendwann völlig verseucht.

Tja, das musste mal sein und in dem Sinne verbleibe ich für heute:

and if i don´t see you:
Good afternoon, good evening and good night.

Horst-G. Lippold

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