Freitag, 11. Februar 2011

15 - Dreissig Minuten Spiegeleier

Donnerstag, der 10.2.2011
(von Sebastian Schmitz)

Lufthansa Technik Philippines

Nach einem unfreiwillig ausgedehnten Frühstück im Aristocrat´s (Manila, Roxas) starteten wir in Richtung LTP (Lufthansa Technik Philippines) einem Jointventure der Lufthansa Technik AG und der MAPDC (MacroAsia Corporation). Bei unserer verfrühten Ankunft wurden wir, durch Frau Liza Martija (Marketing & Communications Section Manager) und Herrn Bernhard Krueger-Sprengel (President of LTP) herzlich begrüßt. Gefolgt von einem Safety-Briefing starteten wir unseren Rundgang durch die Hallen der LTP.

Bevor ich näher darauf eingehe noch ein paar Daten über LTP. Vor kurzem feierte LTP das 10 jährige Bestehen, mit mittlerweile 2700 Mitarbeitern, die zu 99% philippinischer Herkunft sind. Bei LTP werden Flugzeugübrprüfungen (Linechecks) bis hin zu kompletten Überholungen (Overhauls) durchgeführt. Spezialisiert ist sie auf die Airbus Flugzeugtypen (A319-A340). Es werden Kunden aus 40 Ländern und auf 6 Kontinenten bedient.


Zurück zum Rundgang, zuerst besuchten wir den Shopfloor, in welchem die ausgebauten Flugzeugteile, von Interieur bis hin zu sicherheitsrelevanten Teilen, geprüft und überarbeitet werden, bevor sie wieder im Flugzeug verbaut werden. An Trainingspaneln wurde uns veranschaulicht, wie die Innenwand Verkleidung von Flugzeugen aufgebaut ist und wie die Beschichtung funktioniert. Die Panel werden unter Vakuum mit einer Folie laminiert. Sehr beeindruckend war auch die Demonstration eines Prüfvorganges einer Notrutsche, welche vom Shopmanager witzelnd mit den Worten: „Sie sehen bestimmt auch lieber einmal die Auslösung einer Notrutsche auf sicherem Boden, als im Notfall .“ eingeleitet wurde und schon entfaltete sich die Rutsche innerhalb weniger Sekunden zu vollem Ausmaß (ca. 3x4x12 m).

Daraufhin ging es weiter zu den Hangars (Bay 1-5), wo die Arbeiten an Turbinen und die Überprüfung von technischer Ausrüstung zu sehen war, welche begleitet wurden, vom Heulen der Turbinen einiger startender Flugzeuge.

LTP unterliegt, im Aviation Business, strikten Vorschriften in Hinsicht auf Sicherheit und Dokumentationspflichten, niedergeschrieben in der „Aviation Bible“ und durch internationale Organisationen wie EASA und FAA. Die LTP führt innerhalb von 24 Tagen eine komplette Überholung durch, dies bedarf einer genauen Vorplanung von Ersatzteilen, Personal- und Shopkapazitäten. Für die Zukunft ist ein neues Bay angedacht, um die Kapazitäten zu erhöhen und auch das größte Passagierflugzeug der Welt (A380) überprüfen und überholen zu können.

Nach diesen Eindrücken in das Tagesgeschäft eines „Dienstleisters für die Welt“, wie es Herr Krueger-Sprengel nannte und einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter zu DKS (Deutsche Knowledge Services Pte, Ltd. der Deutsche Bank Group). Dort wurden wir von Herrn Thomas Fiekers (Change Management), seines Zeichens Wirtschaftsingenieur und seinem Team freundlich empfangen, nach einem kurzen ‚ Überblick über die Aktivitäten der DKS, ging es schnell über zu einer detailreichen Ausführung der Entwicklungsarbeit des Teams. Am Tag zuvor hatte uns Herr M. Raeuber (CEO of Royal Cargo) schon einige Hintergrundinformationen zur Entwicklung des BPO (Business Process Outsourcing) in den Philippinen gegeben. Dies ist in den letzten Jahren zu einer der wichtigen Säulen der philippinischen Wirtschaft, neben der Elektronikindustrie und dem Arbeitskräfte Export, herangewachsen. Was wir neugierig und mit großem Interesse aufnahmen und zu ausschweifenden Diskussionen führte.


Das Team der DKS hat nun die Entwicklung aufgegriffen und mit Hilfe vom Methoden (Lean, 6Sigma, etc.), die man eher mit der produzierenden Industrie verbindet, auf die Prozesse eines Finanzdienstleisters übertragen. Nach dem Geschäftsprozesse für diese Umsetzung lokalisiert waren, wurden diese analysiert und in FB (Function Blocks) zerlegt, da sich diese Teilprozesse in viele anderen Prozessen wiederfinden. Frei nach dem Motto: „Man muß das Rad nicht neu erfinden“. Aus diesen Analysen sind Standards (Workflows) entwickelt worden, welche nun in die IT-Systeme der DKS implementiert wurden. Bei der Einführung des ersten Pilotprozesse wurden dann mit Hilfe von statistischen Auswertungen KPI (Key Process Indicators / Kennzahlen) abgeleitet. Diese KPI´s geben in Realtime Auskunft über den Fortschritt der Geschäftsprozesse, um frühzeitig auf Fehlentwicklungen reagieren zu können. Um für Transparenz zu sorgen wurden diese Daten visualisiert in sogenannten Dashboards, in denen man anhand von einer Art Ampelsystem sehen kann, in welchem Performancebereich die Arbeitsgruppe sich bewegt.

Einige große Vorteile dieses Systems sind die bessere Planbarkeit von Geschäftsprozessen zeitlich als auch von den Personalkapazitäten. Es kann bei Problemen schneller auf Verzögerungen reagiert werden, dies ermöglicht eine bessere Work Life Balance, da am Ende z.B. einer Abrechnungsperiode kein höherer Bedarf an Personal (Überstunden) erforderlich ist. Dazu wurden einige Verbesserungsprojekte durchgeführt, wie z.B. WD -4 (Work Day -4h) zur Sicherstellung des rechtzeitigen Tagesabschlusses. Die eingeführten KPI´s ermöglichen es erst eine effektive Einführung von BPO durchzuführen, da man sonst nur regelrecht im Dunkeln tappt, man hat keinerlei Aussage über seinen Geschäftsprozess (Fortschritt, Effektivität etc.).
Nach diesen wissenschaftlich anspruchsvollen Ausführungen, wurde uns die praktische Umsetzung im Invoice-Bereich der DKS präsentiert.

Die schon in der Einführungsphase erreichten sehr guten Ergebnisse, lassen das Team, um Thomas Fiekers, sehr positiv in die Zukunft des Projektes schauen. Dieser neue Trend läßt sich vom Finanzdienstleistungsbereich auf viele weitere Administrations- und Dienstleistungsprozesse ausweiten. Dies könnte sich zu einem Umdenken in der Geschäftswelt führen und riesige Veränderungen nicht nur in Deutschland, sondern auch des gesamten Business weltweit auslösen. Nach diesem an den Vortag anknüpfenden Vortrag, ließen wir den Abend im Bonifacios District, The Ford Strip bei einem leckeren Essen ausklingen.

That´s all folks
Miep Miep MAUTZ

Sebastian Schmitz

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